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Mittwoch, 28. August 2019

2 von 22 // Der Auftakt in die Bundesliga-Saison der Frauen

Hach, was war das letzte Woche erquickend: Rund um das Saison-Eröffnungsspiel der Berliner Hertha gegen den FC Bayern posaunte es von überallher, wie schön es doch ist, dass die Bundesliga wieder losgeht nach der langen Sommerpause.
Dass die Sommerpause gar nicht so lang und fußballfrei war und in Frankreich gar eine wunderbare Weltmeisterschaft ausgespielt wurde, ging dabei irgendwie an vielen vorbei. Aber von einem Sender, der Lothar Matthäus als Fußballphilosoph untertitelt, sollte man auch keine Wunder erwarten.

Da wir uns über derlei jedoch ausgiebig genug geärgert haben, erfreuen wir uns lieber am ebenfalls vergangene Woche erfolgten Start der Frauen-Bundesliga, die jetzt Flyeralarm Frauen-Bundesliga heißt. Doch der Abgang der Allianz als Namenssponsor ist nicht das einzig Neue zur Jubiläums-Saison.
Free-TV-Sender Eurosport überträgt für die nächsten drei Jahre das Freitags-Spiel, womit die Liga einen festen Platz (18.30 Uhr) im wöchentlichen Fernseh-Kalender hat. Erfreulicherweise sind die Freitagsansetzungen dabei bisher gut durchmischt, sodass wir in den Genuss von so ziemlich jeder Mannschaft kommen dürften.
Außerdem lässt sich gar die Sportschau am Samstag in der ARD dazu herab, vereinzelt Highlights zu zeigen. Die Umbenennung in Bundesligaschau dürfte damit erst einmal vom Tisch sein.
So viel zu den wichtigsten Neuerungen.

Nicht neu sind (wir kommen jetzt auf's Sportliche zu sprechen) die Favoritinnen. Die heißen weiterhin VfL Wolfsburg und Bayern München. Und auch, wenn die Saison mit zwei Spieltagen noch nicht sonderlich alt geworden ist, widersprechen beide Teams mit zwei Siegen dieser Rolle bisher nicht.
Dass jetzt zunächst mal zwei Wochen Ligapause anstehen (EM-Qualifikation und DFB-Pokal), muss als Grund ausreichen, auf die bisherigen Wochenenden zu schauen, die durchaus Interessantes zeigten.

Der Tabellenführer heißt nämlich Hoffenheim. 10 zu 1 Tore nach zwei Spielen ist sogar besser als die Torfabrik VfL. Dabei half sicherlich, dass Aufsteiger Jena sich bei der 1:6-Heimpleite gegen Hartig (Traumtor), Billa und Co. noch nicht so recht wieder mit der Erstligaluft akklimatisiert hatte - ebenso wie Wolfsburgs schmaler 1:0-Erfolg gegen den SC Sand. Der hätte zwar durchaus höher ausfallen können. Doch Sand bewies, dass man einiges auf dem Kerbholz hat und fegte an Spieltag 2 doch tatsächlich Essen mit 3:0 deutlich vom Platz. Das kann sich sehen lassen.

Nicht weniger überraschend war für mich die 1:0-Niederlage der Freiburgerinnen bei Bayer Leverkusen. Der SC bekommt nach der nicht gerade erfolgreichen letzten Saison (Platz 7) noch nicht in die Gänge. Nach der Auftaktpleite daheim gegen München (1:3) darf man mit 0 Punkten zurecht von einem verpatzten Ligastart sprechen.
Die Bayern-Frauen dagegen beginnen ziemlich perfekt. Dem ersten Spieltag folgte ein 3:0 gegen Frankfurt. Die Neuzugänge greifen. Was die Münchnerinnen zeigen ist nicht immer spielstark, am Ende aber effektiv.

Deutlich ineffektiver zeigte sich Aufsteiger FF USV Jena. Am Wochenende gelang in Potsdam die zwischenzeitliche Führung zum 2:1 - vierzehn Minuten später stand's allerdings 2:5, am Ende 2:6. Allerdings: Die Thüringerinnen begannen auch die letzte Spielzeit schwach und stiegen schließlich auf. Dass man dieses Jahr entsprechend Meister wird, ist also kaum von der Hand zu weisen.

Rekordmeister 1.FFC Frankfurt konnte sich wiederum gegen die Turbinen behaupten und den Heimauftakt 3:2 gewinnen. Dass Eurosport-Premieren-Freitagsspiel war ein richtig packendes und hat allein schon Lust auf mehr gemacht. Der Rest der beiden Spieltage tat sein Übriges.

Ich bin gespannt, wer sich an der Tabellenspitze wird halten können und wer den Dreikampf gegen den Abstieg für sich entscheidet - Jena, Duisburg oder Köln.
Wird Freiburg zu alter Form finden und Essen den Sand-Sturm abhaken können? (Ja, der Wortwitz war Absicht)
Bayern oder Wolfsburg an der Spitze? Oder doch ein anderes Team? Auch von Platz drei bis acht scheint alles möglich.
Der Anfang einer spannenden Bundesliga-Saison ist gemacht. Und wir dürfen uns schon sehr auf die nächsten Spiele freuen.

Montag, 1. Juli 2019

Probleme // WM-Aus für Frankreich und Deutschland

Die Viertelfinals sind gespielt. Die USA, England, Niederlande und Schweden stehen im Halbfinale der Fußball-WM der Frauen 2019. Gastgeber Frankreich hat es nicht geschafft - ein Problem. Und wenn wir die deutsche Brille aufsetzen, haben wir auch noch ein zweites.

Bereits in meiner Betrachtung der Favoritinnen (hier) wies ich darauf hin, dass Frankreich 2019 Ähnliches blühen könnte, wie Deutschland 2011. Und tatsächlich sind die Parallelen erstaunlich: Große Aufmerksamkeit, riesige Hoffnungen für den Frauenfußball im eigenen Land, Ausscheiden bereits im Viertelfinale.
Für den Frauenfußball in Deutschland war die WM 2011 insgesamt kontraproduktiv, die Zuschauerzahlen etwa gehen seit dem in der höchsten Spielklasse stetig zurück. Zwar hatte die Frauen-Bundesliga noch immer großes Gewicht im europäischen Vergleich, doch auch die stellt heute keine Champions-League-Sieger mehr. Der Frauenfußball hierzulande begann, an Bedeutung und Aufmerksamkeit zu verlieren.
Auf das Nachbarland könnte nun Ähnliches zukommen. Denn auch die Französinnen hätten dieses Spiel gegen die USA nicht verlieren müssen. Immerhin gibt es auch Unterschiede: 2011 hatten nicht viele mit Japan gerechnet. Auch wenn das Team später Weltmeister wurde, blieb das Ausscheiden eine Enttäuschung - insbesondere weil die DFB-Auswahl als klarer Favorit ins Rennen ging, nachdem man die beiden letzten Weltmeisterschaften gewinnen konnte. Solche Erfolge im Vorfeld konnte Frankreich nicht annähernd vorweisen und spielte überdies selbst gegen die amtierenden Weltmeisterinnen und vermeintlich stärkste Mannschaft. Das relativiert die Ernüchterung - und hoffentlich auch die Folgen.

Die Niederlage Deutschlands gegen Schweden indes ist eine, über die ich ausführlicher schreiben möchte und die ich im Zusammenhang mit dem gesamten Turnier sehe. Denn es gibt einiges, was ich hinterfragen muss.
Einerseits die taktische Ausrichtung und die Spielidee von Martina Voss-Tecklenburg. Fakt ist: Die Bundestrainerin hatte gerade mal so ein halbes Jahr, um ihr Team zu finden und ihr Konzept an die Frau zu bringen. Fakt ist aber auch, dass sie eine intakte Mannschaft übernahm. Während der Vorbereitung wirkte es so, als würde sie auf diesem Fundament aufbauen wollen. Doch bei der WM machte die Auswahl einen anderen Eindruck auf mich. Alex Popp & Co. blieben gegen defensiv gut stehende Gegner nahezu ungefährlich und ließen spielerische Ideen für den Torerfolg vermissen. Immer wieder lief man sich fest, traute sich immer wieder in den falschen Momenten den Torschuss, der dann abgeblockt wurde, ließ im Flügelspiel immer wieder Probleme bei den Flanken - sowohl in Timing als auch Zielgenauigkeit - sichtbar werden.
Besser lief es gegen Südafrika und Nigeria. Doch bei allem Respekt: Beide sind nicht mit Spanien oder Schweden zu vergleichen. (China lass' ich mal außen vor, das war sowieso ein ganz eigenes Spiel.)
Die ersten vier Begegnungen der WM blieb das Team von Martina Voss-Tecklenburg also ohne Gegentreffer. Leider schien sich irgendjemand darauf tatsächlich etwas einzubilden, war dieser Umstand doch allein gegnerischer Abschlussschwäche und einer Menge Glück zu verdanken. Doch dazu später noch.
Gegen die Skandinavierinnen lief es dann in den ersten 20 Minuten richtig gut. Mit Tempo und Spielwitz nach vorne, überall eine Anspielstation, belohnt mit dem sehenswerten 1:0. So wollten wir das alle sehen.
Der unnötige Ausgleich erwuchs einem schwedischen Befreiungsschlag. Die kapitale Fehleinschätzung und daraus resultierende Unfähigkeit von Hegering, den Ball wegzuköpfen, foppte dann auch gleich Doorsoun und Simon, die im Gegensatz zu Jakobsson nicht antizipierten und nicht mehr eingreifen konnten. 1:1.
Was dann folgte, wird für mich unbegreiflich bleiben. Plötzlich war die gesamte hervorragende Spielanlage weg, jeder spielerische Faden verloren. Dass man nun doch ein Gegentor kassierte, stieg den Akteurinnen offenbar derart in den Kopf, dass sie an den guten Beginn nicht mehr anknüpfen konnten. Auf einmal spielte man wieder gegen China. Diesmal ohne Happy End.
Nachdem man sich zuvor von Partie zu Partie etwas steigerte, gelang dies gegen Schweden nicht. Im Gegenteil. Dabei brauchen wir ein Fußballspiel nicht zum Hexenwerk zu erheben, um zu wissen, dass die Gründe vielfältig sein dürften - und für mich auch schon vorher im Turnier zu sehen waren.

Insbesondere setze ich hier bei der Personalauswahl an. Beispiel Caro Simon. Sie spielte auf der linken Abwehrseite für Verena Schweers und man merkte ihr an, dass sie nicht so richtig im Spielfluss war. Das soll jetzt nicht heißen, dass sie nicht hätte spielen sollen. Vielmehr hätte sie zuvor mehr spielen sollen. Denn Schweers hat eine schwache WM gespielt, brachte hinten selten Sicherheit und war offensiv gar nicht zu gebrauchen. Vom Eckball auf Leupolz gegen Südafrika abgesehen kam von ihr gefühlt nicht ein einziger brauchbarer Ball in den generischen Strafraum.
Sara Doorsoun begann gegen China schwach und verunsichert, verbesserte sich dann jedoch deutlich und machte ein insgesamt besseres Turnier als ihre Partnerin in der Innenverteidigung, Marina Hegering. Dass die Bundestrainerin an ihr festhielt, hatte seine Gründe, sicher. Ich bleibe allerdings dabei, dass Hegering mich nicht überzeugt.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit gegen Schweden die verletzte und nicht eingespielte Dzsenifer Marozsán zu bringen und zu erwarten, dass sie die Partie an sich zieht, war - soviel können wir im Nachhinein sicherlich sagen - ein Fehler. Allerdings einer, der vorhersehbar war. Unabhängig davon, dass ich immer ein Gegner davon bin, die Leistung einer Mannschaft von einer Spielerin abhängig zu machen (wohin Voss-Tecklenburg beinahe schon tendierte), wäre mir die Variante, sie von Beginn an zu bringen und zu schauen, wie weit es geht, deutlich lieber gewesen. Letztlich hatte Maro keinen Einfluss auf das Spiel, der Wechsel war völlig verschenkt. Warum wurde keine Klara Bühl gebracht? Die zeigte gegen Spanien einen starken Auftritt und war als Joker dort gut in der Lage, Lücken zu reißen und gefährlich zu werden. Besonders gegen Schweden hätte das helfen können und wäre für mich aussichtsreicher gewesen, als die Einwechslung von Marozsán.
Was war mit Melanie Leupolz? Gegen Nigeria ging sie zur Halbzeit raus, war sichtbar fertig. Möglicherweise bekam ihr die extreme Hitze nicht. Ich kann ihre Nichtberücksichtigung sonst nicht erklären. Voss-Tecklenburg übrigens auch nicht. Die merkte bereits nach dem China-Spiel an, dass sie Leupolz' Auswechslung dort nach 60 Minuten sportlich nicht recht rechtfertigen konnte. Sie wollte sie schonen, denn sie setze aber auf sie, weil sie eine Spielerin ist, die man im Turnier noch brauchen würde. Im Viertelfinale gegen Schweden allerdings nicht. So hat Leupolz nicht ein einziges Spiel durchgespielt. Naja, immerhin Kräfte gespart.
Selbst eine Svenja Huth hatte keine glückliche Zeit auf dem Platz. Sie war - wie immer - enorm engagiert und laufstark. Doch auch ihr gelang wenig. Auch sie traf zu oft die falschen Entscheidungen.
Was wir gesehen haben im letzten Viertelfinalspiel war kein Schock, kein überragender Gegner, kein Leistungseinbruch. Es war ein Zusammenschnitt des WM-Verlaufs aus deutscher Sicht. Lichte Momente und phasenweise Dominanz. Aber ebenso Abwehrfauxpas und Ideenlosigkeit.
Auch wenn eine deutsche Niederlage nicht notwendig war: die Schwedinnen haben nach einer couragierten Leistung einen historischen Fluch beendet (24 Jahre kein Pflichtspielsieg gegen Deutschland) und dafür muss man gratulieren. Statistiken, wie auch die über ein Jahr andauernde Ungeschlagen-Serie für Deutschland, bedeuten auf dem Platz aber eben gar nichts.

Für die DFB-Elf wäre spätestens im Finale vermutlich auch Schluss gewesen. Wenn man die Spiele der USA und Englands sieht, muss man feststellen, dass deren Spielanlage deutlich reifer ist. Wenn man sieht, wie klug die Lionesses umschalten, wie schnell sie vorm Tor stehen können, wie effektiv sie in der Chancenverwertung sind und in der Lage, in den knappsten Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen, erkennt man, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen noch einen weiten Weg vor sich hat.
Den wird sie mit Martina Voss-Tecklenburg gehen, deren Position freilich nicht zur Debatte steht. Doch er wird nicht über das Olympische Turnier nächstes Jahr in Tokio führen, was ich besonders schade finde. Dieser Weg wird allerdings von mehr begleitet werden müssen, als ein paar taktischen Kniffen. Der deutsche Frauenfußball gerät weiter ins Hintertreffen. Andere Nationen entwickeln sich, auch in den heimischen Ligen, besser. Hier müssen schleunigst die Strukturen hinterfragt werden. Außer der Bundestrainerin sind also die Vereine und der DFB selbst ebenfalls gefragt. Wenn der DFB-Vize-Dings jetzt von einem "tollen Auftritt" spricht, zeigt das allerdings wieder deutlich, wie ernsthaft man sich mit den Problemen beschäftigen will. Denn für den Frauenfußball in Deutschland hat dieses Ergebnis gewiss keine positiven Auswirkungen

Doch um heute nicht nur negativ zu wirken: Ich wünsche unseren Spielerinnen alles Gute. Ich weiß, ihr habt alles gegeben und seid noch enttäuschter, als jeder Zuschauer vor dem Fernseher oder im Stadion. Kopf hoch! Knabbert dran, dann schüttelt es ab und kommt stärker zurück! Bald ist wieder EM.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Vorfreude und Enttäuschung // Gedanken zum deutschen Frauenfußball vor der WM

Keinen Monat dauert es mehr, dann steht das größte Fußballevent dieses Sommers an.
Nicht das Champions-League-Finale zwischen Tottenham und Liverpool (obwohl das bestimmt auch klasse wird).
Nein, es ist WM! Im Fußball. Der Frauen.
Habt ihr nicht mitbekommen? Dann müsst Ihr ja völlig hinterm Berg leben.
Man kann doch keine Stunde fernsehen, ohne auf die Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen hingewiesen zu werden; kann keinen Kilometer in der Stadt gehen, ohne die Konterfeis der deutschen Spielerinnen zu sehen; und die Twitter-Timeline funktioniert gar nicht, ohne dass man auf den FIFA Women's World Cup 2019 in Frankreich heiß gemacht wird.

Ach so, ihr lebt gar nicht in England oder den Niederlanden?
Tja, in der deutschen Fußballrepublik läuft es leider nicht ganz so. Hierzulande sieht man (Stand: 09.05.2019) keine Hype-Videos der DFB-Frauen, keine Werbung für den tollen Sport und spürt kaum Vorfreude, die einem entgegenkommt. Als Fan muss man sie selbst ausstrahlen.
Aber warum ist das so?

Sicher keine leicht zu beantwortende Frage. An der generellen Ablehnung gegenüber Fußball spielenden Frauen und Mädchen? Auch. Aber nicht mehr ganz so, wie früher. Je nachdem, in welchem Teil meines Umfeldes ich das Thema Frauenfußball anschneide, kommen mir über seltsame Blicke ("Echt, das guckst du?"), prinzipielle Ablehnung oder entsprechende Scherze (, die ich irgendwie nicht mehr witzig finde) bis zu auf Höflichkeit gründendem Interesse entgegen - unabhängig vom Geschlecht. Doch einige Sportbegeisterte schauen sich große Turniere bzw. große Spiele in solchen dann schon an, vergessen danach aber schnell wieder.
Ist das die fehlende Identifikation? Gibt es in Potsdam mehr Frauenfußballfans als in Leipzig? Vermutlich. Ich selbst benötige aber keinen Lieblingsverein in der Frauen-Bundesliga, vor allem deshalb, weil ich eher einzelne Spielerinnen klasse finde, als die Vereine. Ich schau' gern die Spiele des VfL Wolfsburg, weil mich z.B. Ewa Pajor diese Saison fasziniert; verfolge die Bayern, weil starke Rückkehr von Melanie Leupolz nach recht langer Verletzung beeindruckt; will wissen, wie Arsenal oder Barcelona gespielt haben, weil ich mich bei der EM 2017 in so ziemlich jede Niederländerin "verliebt" habe. Doch das wird und kann nicht jedem so gehen, der nicht so tief in der Materie steckt.

Ist es die fehlende Attraktivität? Das ist gewiss Ansichtssache. Ohne es chauvinistisch zu meinen: Frauen sind nicht so stark, nicht so groß und nicht so schnell, wie Männer. Die anatomischen Unterschiede wirken sich natürlich auf das Geschehen auf dem Platz aus, das Spiel ist langsamer. Zu sagen, dass einem deshalb Männerfußball eher zusagt, ist nachvollziehbar und eben eine persönliche Ansicht. Ich kann beidem etwas abgewinnen. Und ich erwische mich bei manchem Bundesliga-Spiel bei dem Gedanken, dass mich diese Schauspielerei, die kleinen Fiesheiten, die Provokationen in so mancher Begegnung derart anöden, dass ich mir wünsche, DFB-TV würde SC Sand gegen FFC Frankfurt übertragen.
Jede Frau zeigt in ihrem Sport genauso viel Einsatz und Wille, Kampf und Leidenschaft, wie die Herren. Auch wenn die Spiele anders sind, stellt allein dieser Fakt den Frauenfußball für mich auf die gleiche Stufe, wie den der Männer.

Fehlende Zugänglichkeit? Damit würden wir uns dem (meiner Meinung nach) Kern schon annähern - der Präsentation. Man kann die Spiele einfach kaum sehen. Zwar hat immerhin Sport1 bereits in der Saison 2017/2018 damit begonnen, gelegentlich ein Spiel zu zeigen und dies 2018/2019 etwas verstärkt. Da dieses Spiel jeweils dann auch auf dfb.tv gestreamt wird, kann man hier aber leider nur von einem bedingten Mehrwert sprechen, obgleich der Free-TV-Sender sicher ein breiteres Publikum erreicht, als das Videoportal des DFB. Ein zusätzliches Spiel pro Spieltag springt dabei also nicht heraus. Mit (in der Regel) dem Spiel der FC Bayern-Frauen, das Magenta TV zeigt, kommt dann höchstens ein weiteres Spiel dazu. Pro Woche also maximal zwei, zumeist Wolfsburg oder München. Reicht das?
Mir nicht. Klar: Am Wochenende läuft genügend Fußball. Wann soll man denn die Frauen auch schauen? Aber ist es ein so gewaltiger Aufwand, einfach die Möglichkeit dazu bereitzustellen?
Offenbar ja. Und ich verstehe das. Der DFB als einer der kleinsten und dazu ärmsten Sportverbände der Welt kann unmöglich die Infrastruktur verfügbar machen, um alle Spiele zu streamen.
Gut, bleiben wir ernst. Wenn ich daran Interesse habe, kann ich jedes (also wirklich: jedes) Spiel der amerikanischen NWSL ansehen. Es kann doch nicht sein, dass das für die Frauen-Bundesliga nicht möglich ist. So gern brüstet sich der DFB damit, was er alles für seine Amateure tut und wie wichtig die für ihn sind und so weiter. Davon bemerke ich hier nichts.

Immerhin sorgt man auf Verbandsseite aber auch dafür, dass all das zu keinem größeren Problem wird. Denn der Frauenfußball wird schön klein gehalten. Eine Präsentation findet quasi nicht statt, ein Interesse wird nicht geweckt. Der DFB veröffentlicht lieber Videos davon, wie sich gestandene Nationalspielerinnen von eSportlern ein gutes Verständnis für ihren Sport attestieren lassen dürfen (hier) oder vom gemeinsamen Kochen (hier) (ja, ernsthaft).
Aber jetzt kommt ja die WM, danach wird alles anders. Der DFB wird zusammen mit den Öffentlich-Rechtlichen sicher eine längere Video-Reihe zur Mannschaft und allen nominierten Spielerinnen machen, wenn die bekannt sind. Bestimmt! Die ARD wird in den nächsten Tagen damit beginnen, vor der Tagesschau kurze Teaser zur WM zu zeigen. Bestimmt!

Selbst die Haltung der Frauenfußball betreibenden Vereine hierzulande ist eindeutig. Nachdem in den vergangenen Wochen und Monaten bei Club-Spielen in Spanien und Italien Zuschauerrekorde purzelten, ließ man sich (auf die Frage, ob man für das Champions League-Viertelfinalspiel gegen die beste Mannschaft der Welt in ein größeres Stadion wolle) beim VfL Wolfsburg zu der generösen Ansage herab, man habe keine Interesse daran, dadurch die Zuschauerschaft künstlich aufzublähen.
Was für ein Schlag ins Gesicht. Man wolle das Produkt nicht zum Nulltarif anbieten. Aber Werbung für das "Produkt" will man auch keine machen. Scheut man das Risiko? Vielleicht. 40 Millionen für einen durchschnittlichen Spieler als Ablöse zu zahlen, der floppt, geht in Ordnung. Aber ein paar Tausend Euro für ne Werbekampagne, billige Stadionplätze für mehr Unterstützung der Frauenmannschaft und vielleicht darauf resultierendes steigendes Interesse? Keine Chance.

Ich weiß nicht, ob Atletico das Risiko umsonst einging, als man an Madrider Kreuzungen riesige Werbeplakate für das Liga-Spiel gegen Barcelona aufbringen lies. Ich weiß nur, dass über 60.000 Zuschauer im Stadion waren. Und dass einige davon wiederkommen werden.
Der DFB läuft hier nicht Gefahr, zurückzufallen. Er ist es schon. Und wird es zu spät merken. Ebenso wie die Vereine der Frauen-Bundesliga.

Weshalb ich mich jetzt dennoch auf die WM freue?
Weil nicht nur der DFB in Frankreich vertreten sein wird. Natürlich werde ich mit der deutschen Mannschaft besonders mitfiebern. Aber auch mit der englischen. Und der spanischen. Und niederländischen (♥). Und der französischen. Und schwedischen. Und schottischen. (Ihr wisst, worauf ich hinaus will)
Weil ich mich auf den Sport an sich freue, auf volle Stadien mit Zuschauern, die ihr Team, ihre Frauenfußball-Auswahl sehen wollen. Auf die besondere Atmosphäre.
Weil ich sehen will, wie die englischen Lionesses auf der daheim erzeugten Euphoriewelle surfen, wie Vivianne Miedema in einem Spiel vier Tore schießt, Vicky Losada überraschend zur besten Spielerin gekürt wird und die Amerikanerinnen einfach nicht aufgeben.
Weil es mir letztlich egal ist, wo die Begeisterung herkommt, solange sie da ist. Es wird ein tolles Turnier mit vielen wunderbaren Szenen. All das wird mir wichtiger sein, als mich über die stiefmütterliche Behandlung des Frauenfußballs in Deutschland zu ärgern.

/br.